Eine ganz besondere Musikstunde: Auf den Spuren von Maurice Ravel

Ein ganz besonderer Musikunterricht erwartete die Schülerinnen und Schüler der Fuchs- und Schneckenklasse . Gemeinsam begaben sie sich auf eine musikalische Reise nach Frankreich und tauchten in die faszinierende Welt des französischen Komponisten Maurice Ravel ein. Die außergewöhnliche Unterrichtsstunde wurde von Frau Renczikowski gestaltet, die für „Klasse Klassik“ tätig ist und das aktuelle Schul- und Familienkonzert „Meisterwerke: Ravel“ konzipiert hat.

Bevor es musikalisch wurde, stand zunächst Frankreich im Mittelpunkt. Die Kinder erfuhren Wissenswertes über das Land und seine Hauptstadt Paris, in der Maurice Ravel lebte und wirkte. Was verbinden die Schülerinnen und Schüler mit Frankreich? Welche berühmten Sportereignisse, Modetrends oder Künstler fallen ihnen ein? Schnell kamen erste Ideen zusammen. Besonders die Tour de France war den Kindern ein Begriff. Auch die französische Nationalflagge mit ihren drei Farben Blau, Weiß und Rot wurde vorgestellt und gemeinsam betrachtet. So entstand ein erster Zugang zu dem Land, dessen Kultur und Musik die Kinder an diesem Tag kennenlernen sollten.

Anschließend nahm Frau Renczikowski die Klasse mit in das Leben des Komponisten Maurice Ravel (1875–1937). Ravel zählt zu den bedeutendsten französischen Komponisten des Impressionismus. Seine Musik ist bekannt für ihre farbenreichen Klänge, raffinierten Rhythmen und fantasievollen Klangbilder. Er verstand es meisterhaft, mit Instrumenten und musikalischen Motiven Geschichten zu erzählen und Bilder im Kopf seiner Zuhörer entstehen zu lassen.

Den Kindern stellte Frau Renczikowski Ravel zunächst als großen Katzenfreund vor. Das kam besonders gut an: Zwei Siamkatzen aus Plüsch machten die Runde durch die Klasse und sorgten für neugierige Blicke und so manches Schmunzeln. Passend dazu lauschten die Schülerinnen und Schüler anschließend einer ganz besonderen musikalischen Szene: In Ravels Oper „L’Enfant et les sortilèges“ (Das Kind und der Zauberspuk) gibt es ein ungewöhnliches Katzenduett. Die beiden Katzen verständigen sich dabei mit miauenden Lauten, die von einer Sopranistin und einem Tenor gesungen werden.

Eine ebenso originelle wie unterhaltsame Begegnung von Musik und Tierwelt!

Danach ging es darum, Musik nicht nur zu hören, sondern sich auch vorzustellen, was sie erzählen könnte. Unterschiedliche Klangfarben, Tempi und Lautstärken ließen Bilder von Tieren und ihren Bewegungen entstehen. Dabei wurde deutlich, wie vielfältig Musik sein kann: Mal klingt sie lebhaft und flink, mal leicht und schwebend, mal schwer und kraftvoll.

Im weiteren Verlauf widmete sich die Klasse der Welt der Märchen. Ravel hatte sich intensiv mit märchenhaften Geschichten beschäftigt und diese musikalisch zum Leben erweckt. Besonders im Mittelpunkt standen zwei Stücke aus seiner Suite „Ma mère l’Oye“ (Mutter Gans): „Pavane de la Belle au bois dormant“ (Dornröschen) und „Les Entretiens de la Belle et de la Bête“ (Die Gespräche zwischen der Schönen und dem Biest).

Die Kinder lauschten aufmerksam und wurden selbst zu kleinen Musikdetektiven. Sie sollten heraushören, welche Instrumente zu hören waren und welche Figuren diese musikalisch verkörperten. Besonders spannend war dabei das Zusammenspiel von Klarinette und tiefem Fagott beziehungsweise Kontrafagott, die den Dialog zwischen der Schönen und dem Biest gestalten. Die Verwandlung des Biestes in einen schönen Prinzen wird schließlich durch einen aufsteigenden Harfenklang, ein sogenanntes Glissando, musikalisch dargestellt. So konnten die Kinder erleben, wie Musik ganz ohne Worte eine Geschichte erzählen kann.

Nach so vielen musikalischen und märchenhaften Eindrücken durfte auch ein Stück französischer Lebensart nicht fehlen. In liebevoller Erinnerung an den Frankreichliebhaber Ravel gab es zum Abschluss ein französisches Frühstück mit frischem Baguette, Käse und Marmelade. Eine schöne Gelegenheit, die Reise nach Frankreich auch kulinarisch abzurunden.

Doch damit ist das musikalische Abenteuer noch längst nicht zu Ende. Musiklehrer Herr Hasselmann erarbeitet derzeit gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern den berühmten „Boléro“ von Maurice Ravel. Bereits die ersten Takte dieses weltbekannten Werkes haben es in sich. Besonders beeindruckend ist die Vorstellung, dass der charakteristische Rhythmus über insgesamt 168 Takte hinweg nahezu ununterbrochen beibehalten wird. Was zunächst einfach klingt, verlangt ein hohes Maß an Konzentration, Ausdauer und rhythmischer Sicherheit.

Gerade für Kinder mit dem Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung ist ein solches gemeinsames musikalisches Erlebnis von besonderer Bedeutung. Viele von ihnen benötigen im Schulalltag eine verlässliche Struktur, klare Abläufe, überschaubare Aufgaben und individuelle Unterstützung. Gleichzeitig können Aufmerksamkeit, Impulskontrolle, Frustrationstoleranz und das soziale Miteinander besondere Herausforderungen darstellen. Musik bietet hier wertvolle Möglichkeiten: Sie spricht Kinder auf einer emotionalen Ebene an, schafft gemeinsame Erlebnisse und ermöglicht Erfolgserfahrungen jenseits klassischer Unterrichtssituationen. Beim gemeinsamen Zuhören, Entdecken, Mitmachen und Musizieren werden Konzentration, Rücksichtnahme und das Aufeinander-Hören ganz selbstverständlich gefördert. Jedes Kind kann sich mit seinen eigenen Fähigkeiten einbringen und Teil einer Gemeinschaft sein.

Die besondere Musikstunde war deshalb weit mehr als eine Begegnung mit einem berühmten Komponisten. Sie war ein lebendiger und kindgerechter Zugang zu klassischer Musik, der Neugier weckte, Fantasie anregte und die Kinder auf vielfältige Weise einbezog.

Gleichzeitig bildet die Unterrichtsstunde den Auftakt zu einem spannenden musikalischen Projekt: Am 10. November steht ein Projekttag an der Alfred-Adler-Schule auf dem Programm, bei dem die Grundschulkinder ihre Kenntnisse und Eindrücke rund um Ravel vertiefen können. Der Höhepunkt folgt am 16. November mit einer besonderen Schulaufführung in der Oper Duisburg gemeinsam mit den Duisburger Philharmonikern. Dann wird aus dem, was im Unterricht gehört, entdeckt, ausprobiert und eingeübt wurde, ein gemeinsames musikalisches Erlebnis auf großer Bühne.